Praxistipps

Hier haben wir für Sie einige erprobte Mittel, Tipps und Hinweise zum Thema Essen und Essenzubereitung zusammengestellt, die nun unerlässlich sind, oder die ganz einfach helfen können, den Essens-Alltag im Krankenhaus ein wenig angenehmer zu gestalten.

Hygiene - ab jetzt unerlässlich

Über die Nahrung können Krankheitserreger, wie z.B. Bakterien, Viren, Schimmelpilze oder Parasiten aufgenommen werden, die Infektionen hervorrufen können. Für Kinder mit Krebs ist das gefährlicher als für Gesunde, da die Erkrankung selbst und die Krebstherapien das Immunsystem schwächen können. Im folgenden zeigen wir Ihnen, wie Sie durch eine gute Lebensmittel- und Küchenhygiene Infektionen vorbeugen können.

Hygieneempfehlungen und -richtlinien während der Krebstherapie

Viele Familien sind während der Chemotherapie oder Bestrahlung verunsichert, was ihr Kind essen oder trinken darf. Das Wichtigste vorab: Bis auf wenige Dinge, die Sie beachten sollten, ist eigentlich alles erlaubt! 

Es gibt einige Einschränkungen, um das Risiko einer Infektion durch pathogene (krankheitserregende) Keime durch kontaminierte (verunreinigte) Speisen möglichst gering zu halten.

Diese pathogenen Keime können in seltenen Fällen zum Beispiel auf rohen tierischen Produkten, in frischen verarbeiteten Lebensmitteln oder in frischen Nüssen vorkommen. Weiter unten finden Sie eine ausführliche Zusammenfassung, worauf Sie achten sollten.

Es kann sein, dass Ihnen in Ihrer behandelnden Klinik strengere Empfehlungen mitgeteilt werden. Bislang galten allgemein die Empfehlungen für eine strenge “keimarme” Ernährung. Diese Empfehlungen wurden erst 2021 gelockert, und zwar aus zwei Gründen: Zum einen gab es keinen wissenschaftlichen Nachweis dafür, dass eine strenge „keimarme“ Ernährung von Nutzen ist, sondern zum anderen sogar Hinweise, dass sie viele Nachteile mit sich bringt, da sie eine Mangelernährung nach sich ziehen und gute Darmbakterien schädigen kann [9]. Wenn Sie verunsichert sind: Fragen Sie noch einmal nach und bitten Sie explizit um eine Beratung. 

 

Bei onkologischen bzw. stammzelltransplantierten PatientInnen wird sowohl durch die Grunderkrankung selbst als auch durch die notwendige zytotoxische bzw. immunsuppressive Therapie eine Störung aller Abwehrsysteme hervorgerufen (1).

Im Vordergrund der Infektionsgefährdung des/der onkologischen PatientIn unter einer Chemotherapie steht der Mangel an neutrophilen Granulozyten mit daraus resultierendem  Risiko für bakterielle Infektionen. Bei Granulozyten handelt es sich um weiße Blutzellen (Leukozyten), die der Infektionsabwehr (Bakterien, Pilze, Fremdkörper)dienen. Ab einer Zahl von unter 500 neutrophilen Granulozyten/µL steigt das Risiko einer bakteriellen Infektion. Auch die Therapie mit Kortikosteroiden (Cortison) trägt zur Immunsuppression bei. 

Weitere, die Infektionsgefährdung bestimmende Einflussfaktoren sind bei vielen PatientInnen der reduzierte Allgemein- und Ernährungszustand (2,3).

Durch all diese Faktoren ist das Risiko für eine Lebensmittelinfektion erhöht. Von einer strengen „keimarmen“ Ernährung wird inzwischen Abstand genommen, da man heute weiß, dass sie keine Vorteile mit sich bringt, sondern viel mehr Nachteile, da sie eine Mangelernährung nach sich ziehen kann (4,5).

Um das Risiko einer Lebensmittelinfektion möglichst gering zu halten, gelten heutzutage insbesondere für die Phasen mit starker Immunsuppression nur mehr spezielle hygienische Richtlinien (6,7).

Die jetzigen Empfehlungen richten sich nach dem neuesten Stand der Wissenschaft. Aktuell hat das Robert-Koch-Institut die Empfehlungen für die Ernährung für immunsupprimierte PatientInnen 2021 neu herausgegeben (6,7)

Kochen

   Wichtigste Hygienemaßnahme: Hände vor dem Zubereiten einer Mahlzeit und vor dem Essen mit Seife und warmem Wasser gründlich waschen!

 Garthermometer verwenden, um die vorgege-bene Temperaturen beim Kochen zu erreichen

 Beim Garen in der Mikrowelle: abdecken und zwischendurch umrühren

 Soßen und Suppen beim Wiedererhitzen gut aufkochen

 Wunden an den Händen gut verbinden, Fingerlinge benutzen

 Frisches Obst, Gemüse, Kräuter oder Salat vor dem Verzehr gründlich waschen

– Trockengewürze auf Löffel streuen und dann über das kochende Gericht streuen

 Karotten und Kartoffeln gründlich bürsten, wenn sie mit Schale gegessen werden

 Sahne/ Milch in Eiswürfelbehältern einfrieren

  Angeschlagene Teile von Früchten und Gemüse großzügig wegschneiden

  Flaschen-, Dosen und Flaschendeckel u. Dosenöffner vor dem Öffnen heiß abwaschen

 Nicht aus Flaschen und Dosen trinken

 

Reinigen

 Verfallsdatum beachten (bitte auch bei einem stationären Aufenthalt beachten!)

 Keine defekten Verpackungen, verbeulte Konser-ven oder rissige Behälter einkaufen

 Lebensmittel, wenn möglich, immer frisch kaufen

 Gekühlte Lebensmittel zuletzt kaufen

  Nur Tiefkühlpackungen ohne Schnee und Eiskristalle kaufen

  Kühlkette soll nicht unterbrochen sein (ggf. mit Kühltasche einkaufen)

 Selbst eingeweckte Lebensmittel 60 Min. einkochen, um ausgekeimte Sporen zu vernichten. Zuckerverhältnis beachten (s. oben)

 Wechselseitige Verschmutzung durch verschie-dene Lebensmittel dringend vermeiden

 Arbeitsflächen sauber halten und in einen unsau-beren und sauberen Bereich trennen

 Küchentücher, Schwämme, Spülbürsten und andere Utensilien täglich bei mind. 60°C waschen oder ersetzen, günstig sind Einmal-Wischtücher

 

Trennen

 Rohes Fleisch, Fisch, Geflügel separat lagern, z.B. in einem separaten Plastikbehälter

– Lebensmittel im Kühlschrank lagern

– Kühlschrank regelmäßig reinigen

 Frisches Fleisch, Fisch, Geflügel höchstens 2 Tage gekühlt lagern, durchgegart verzehren

 Rind-, Schwein-, Kalb-, Lammfleisch innerhalb von 2-5 Tagen verbrauchen

– Verpackungen unmittelbar vor dem Verzehr öffnen

 Getränke und Speisen mit 24 h Regelung nach dem Öffnen im Kühlschrank lagern und innerhalb eines Tages verbrauchen

 Mehl, Zucker, Cornflakes in luftdichten Behältern verpacken und regelmäßig auf Schimmel, Schädlinge etc. überprüfen

          Produkte verwerfen, wenn das Mindesthalt-barkeitsdatum überschritten ist, die verdorben (faulig, schimmlig, farbverändert) sind oder schlecht riechen

 Ungewaschene Lebensmittel nicht mit bereits geschälten oder fertig zubereiteten in Kontakt bringen

 Küchenutensilien (z.B. Messer, Schneidebretter) nach Benutzung gründlich mit heißem Seifen-wasser waschen, bevor sie für andere Lebens-mittel benutzt werden

 Zum Abspülen reicht heißes Wasser mit Seife oder eine Spülmaschine (60°C)


Kühlen

 Speisen nicht mehr als 2 Stunden warmhalten, sondern frisch zubereiten

 Speisen nur dann wieder aufwärmen, wenn sie am gleichen Tag gekocht wurden; gut durchgaren

      Kühlschranktemperatur unter 4°C

     Gefrierschranktemperatur unter -18°C

 Kühlen bzw. einfrieren von leicht verderblichen Lebensmittel innerhalb von 2 Stunden nach Zubereitung oder Einkauf. Bei Außentemperaturen über 30°C innerhalb 1 Stunde kühlen.

 Lebensmittel nur im Kühlschrak, in kaltem Wasser oder in der Mikrowelle auftauen lassen; nach dem Auftauen sofort durchgaren

 Gefrorenes Fleisch, Fisch und Geflügel in einem Sieb abgedeckt im Kühlschrank auftauen, Auftauflüssigkeit in den Abguss

 Marinierte Lebensmittel immer im Kühlschrank durchziehen lassen

 Große Mengen an Gefriergut in kleinere Portionen unterteilen, sodass schneller durchgekühlt wird

 Gefrorene Produkte bei -18°C halten. Falls der Kühlprozess unterbrochen wurde, wegwerfen

 Gefrorenes Gemüse direkt ohne Auftauen (weiter-) verarbeiten

Ihr Kind darf im Rahmen der oben genannten Empfehlungen essen, was es möchte. Bieten Sie immer wieder eine bunte Auswahl an. Während der Behandlung  kommt es nicht vorrangig darauf an, was ihr Kind isst, sondern dass es gemeinsam mit Ihnen die Freude am Essen behält und selbstbestimmt essen darf. Dadurch kann eine gute Versorgung mit Energie und Nährstoffen am besten aufrechterhalten bleiben. Und, nicht weniger wichtig:  Essen nach Lust und Laune gibt Kraft und ist notwendig für eine gute körperliche und seelische Verfassung.

Falls bei Ihrem Kind Beschwerden wie z.B. Durchfall, Übelkeit, Entzündungen im Mundbereich auftreten oder ein ungewollter Gewichtsverlust, finden Sie auf unserer Website ausführliche Ernährungsinformationen. 

Dass Kliniken uneinheitlich beraten, liegt daran, dass es bisher keine einheitlichen und detaillierten Leitlinien gibt. Dadurch können die Empfehlungen von Krankenhaus zu Krankenhaus schwanken (8). 

Verständlicherweise möchte Ihr medizinisches Behandlungsteam alle möglichen Infektionsquellen eliminieren, um Ihr Kind zu schützen. Etablierte Standards zu verändern, kann eine große Herausforderung darstellen und mit Unsicherheit verbunden sein. Aus diesem Grund werden oftmals lieber zu viele als zu wenige Einschränkungen vorgegeben. Halten Sie nochmal Rücksprache mit dem/der behandelnden Arzt/ Ärztin Ihres Kindes, falls Sie bezüglich der Empfehlungen, die Sie erhalten haben, verunsichert sind. Sprechen Sie auch unbedingt an, falls Ihr Kind aufgrund der Einschränkungen Gewicht verliert oder dadurch weniger isst. Erkundigen Sie sich gezielt nach individuellen Gründen für eine „keimarme“ Ernährung und wann diese wieder gelockert werden kann.

  1. Lehrbecher T., Foster C., Vasquez N.J. et al. (1997) Therapy-induced alterations in host defense in children receiving therapy for cancer. J Pediatr Hematol Oncol 19:399
  2. Bodey G.P., Buckley M., Sathe Y.S. et al (1966) Quantitativerelationships between circulating leukocytes and infection in patients with acute leukemia. Ann Intern Med 64:328
  3. Schimpff S.C., Satterlee W., Young V.M., Serpick A. (1971) Empiric therapy with carbenicillin and gentamicin for febrile patients with cancer and granulocytopenia. N Engl J Med 284:1061-1065
  4. Schmidt L., Erickson N.T., Reudelsterz C., von Grundherr J., Rubin D., Lambeck A., Köpcke U., Arends J., Hübner J. for the German Cancer Society, Working Group Prevention and Integrative Oncology (PRIO); German Society for Hematology and Medical Oncology, Working Group Nutrition, Metabolism, Exercise; German Association of Dietitians; and the Professional Association of Oecotrophologists: Neutropenic diet during high dose therapy: a risk for patients. Ernahrungs Umschau 2022; 69(3): 24–9.
  5. Muscaritoli M., Arends J., Bachmann P., et al. (2021). ESPEN practical guideline: Clinical Nutrition in cancer. Clinical Nutrition; 40(5): 2898–913 https://doi.org/10.1016/j.clnu.2021.02.005
  6. Robert Koch-Institut (RKI) (2021). Anforderungen an die Infektionsprävention bei der medizinischen Versorgung von immunsupprimierten Patienten: Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz 2021; 64(2): 232–64. 
  7. Bechard L.J., Adiv O.E.A., Jaksic T., Duggan C. (2002) Nutritional supportive care. In: Pizzo P.A., Poplack D.G. (eds) Pediatric oncology, 4th ed. Lippincott, Philadelphia
  8. Arends J., Bertz H., Theurich S., von Grundherr J. (2018) Ernährung. Onkopedia

https://www.onkopedia.com/de/ayapedia/guidelines/ernaehrung/@@guideline/html/index.html [letzter Zugriff 11/2022]

  1. Brown K, DeCoffe D, Molcan E, Gibson DL: Diet-induced dysbiosis of the intestinal microbiota and the effects on immunity and disease. Nutrients 2012; 4(8): 1095-19


Wenn das Essen im Krankenhaus nicht schmeckt

Wenn Kinder an Krebs erkranken, findet ein Großteil der Akut-Therapie oft stationär statt, die Kinder verbringen mehrere Wochen oder sogar Monate im Krankenhaus. Was das Essen angeht, so kann dies durchaus eine Entlastung sein – Ihr Kind ist versorgt, Sie als Eltern müssen sich nicht ums Kochen und die Zubereitung der Mahlzeiten kümmern. 

Gegebenenfalls werden Sie allerdings feststellen, dass Ihr Kind (nach einer Weile) keine Lust mehr auf das Krankenhausessen hat, das sich oft im wöchentlichen oder vierzehntägigen Rhythmus wiederholt. Die Qualität des Krankenhausessens, das leider strengen finanziellen Einschränkungen unterworfen ist (was natürlich von Klinik zu Klinik sehr unterschiedlich sein kann und von Patient zu Patient sehr unterschiedlich empfunden werden kann), soll hier nicht das  Thema sein. Vielmehr möchten wir Ihnen einige Praxistipps an die Hand geben, die Ihnen helfen können, Ihr Kind zu unterstützen und Alternativen anzubieten, sollte es Probleme mit dem Essen im Krankenhaus haben:

 

"Wunschkost" auf Station

Viele Krankenhäuser haben auf Ihren Kinderstationen ein gewisses Angebot an sogenannter Wunschkost. Die Idee dahinter ist, dass Ihr Kind zu (fast) jeder Zeit die Möglichkeit haben soll, etwas zu essen – unabhängig von den regulären Mahlzeiten – wann immer es möchte und Hunger oder einfach nur Appetit und Lust hat. Meist handelt es sich hier um (Fertig)Gerichte, die vom Stationspersonal in den kleinen Stationsküchen zubereitet werden können, wie Tiefkühlpizza, Pommes, Kartoffelbrei, Milchreis, Grießbrei oder Suppen. Fragen Sie nach diesem Angebot – vielleicht ist etwas dabei, das Ihr Kind essen möchte und das für etwas Abwechslung im Klinikalltag sorgt. 

In vielen Kliniken gibt es auch die Möglichkeit, Ihrem Kind etwas regelmäßig in der Krankenhausküche zu bestellen, was ihm bei den angebotenen Speisen geschmeckt hat oder schlichte Gerichte wie Nudeln mit Butter oder Reis mit Soße. Fragen Sie nach!




Elternküchen

Einige Stationen haben sogar eigene “Elternküchen” (z.T. von Födervereinen finanziert), wo Sie als Eltern kochen können – für Sich selbst, aber auch für Ihr Kind (in diesem Fall sind natürlich unbedingt die Hygieneregeln in der Zubereitung und ggf. Lebensmitteleinschränkungen zu beachten). Dies ist eine schöne Möglichkeit, wenn Sie Wert auf selbstgekochtes Essen legen, wenn Sie genügend Energie zum Kochen haben, Ihnen das Kochen einfach gut tut oder Sie vielleicht einfach mal den Ort wechseln oder sich mit anderen Eltern austauschen möchten. 

Vielleicht haben Sie aber auch keine Kraft zum Kochen oder für Gespräche, oder Sie fühlen sich nicht wohl dabei, sich von Ihrem Kind zu lösen und es für eine gewisse Zeit allein im Krankenzimmer zu lassen  – je nachdem, wie klein oder auch pflegebedürftig Ihr Kind ist. In diesem Fall könnten Sie die Elternküche einfach zum schnellen Aufwärmen von mitgebrachtem Essen nutzen, oder um Lebensmittel und Getränke, die Sie gerne mögen und die Ihnen gut tut, zu lagern und immer griffbereit zu haben.




Essenslieferungen

Wenn Ihr Kind (oder auch Sie als Eltern) Lust auf etwas ganz Bestimmtes haben, gibt es natürlich auch die Möglichkeit, sich das Essen von einem Restaurant über einen Lieferdienst direkt zur Station liefern zu lassen. Vielleicht haben Sie aber auch Angehörige oder Freunde, die gerne  kochen und die Sie gerne unterstützen möchten, indem sie die Essenswünsche von Ihrem Kind oder Ihnen zubereiten. Scheuen Sie sich nicht, solche Hilfe anzunehmen! Sie tut Ihnen und Ihrem Kind gut.

Gerade wenn Essen von außerhalb kommt, ist es natürlich unglaublich wichtig, dass auf die Hygieneregeln in der Zubereitung (und ggf. auf Lebensmitteleinschränkungen) geachtet wird. Manch eine/n Privatkoch/köchin kann dies verständlicherweise verunsichern und abschrecken – fragen Sie auf Station nach den geltenden Regeln und verweisen Sie Ihre Angehörigen und Freunde auf die Informationen, die wir auf dieser Seite zu diesem Thema zusammengestellt haben.

In manchen Krankenhäusern gelten grundsätzlich oder zu bestimmten Zeiten während der Therapie Ihres Kindes strengere Regeln und Einschränkungen, was mitgebrachtes oder geliefertes Essen betrifft – suchen Sie hier das Gespräch und fragen Sie nach den Möglichkeiten.




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